Abitur-Rede 2006

Drucken PDF

Liebe Abi­tu­ri­en­tinnen und Abi­tu­ri­enten, liebe hof­fent­lich au­ßer­or­dent­lich stolze El­tern und An­ver­wandte sowie Freunde, liebe Kol­le­ginnen und Kol­legen, liebe Mit­ar­bei­te­rInnen, liebe Schü­le­rinnen und Schüler, liebe Gäste!

Zu­nächst erst einmal meinen herz­li­chen Glück­wunsch zum be­stan­denen Abitur – wir, d.h. Leh­rer­kol­le­gium und Schul­lei­tung, freuen uns mit Ihnen und sind zu­gleich au­ßer­or­dent­lich stolz auf Sie alle. Wir freuen uns auch dar­über, dass Sie es auch im zweiten Jahr des an­geb­lich so viel schär­feren und ob­jek­ti­veren Zen­trala­bi­turs ge­schafft haben, den ‚Schnitt’ zu halten, also im lang­jäh­rigen Durch­schnitt der Er­geb­nisse un­serer Schule – ob mit oder ohne Zen­trala­bitur - zu bleiben. Damit liegt auch er­neut ein em­pi­ri­scher Be­weis dafür vor, dass wir und Sie uns mit un­seren Leis­tungen nicht ver­ste­cken müssen. Im Ge­gen­teil, Ihre Leis­tungen am Goethe-Gym­na­sium passen auch zu den an­deren Er­geb­nissen, die als stan­dar­di­sierte Ar­beiten in den mitt­leren Klas­sen­stufen in den letzten Jahren er­zielt wurden – es geht nie um den Klas­se­ner­halt, son­dern Goethe liegt auch dort im oberen Ta­bel­len­feld und den geis­tigen Fit­ness­test haben Sie als unser Abi­tur­team gut be­standen, meine Hoch­ach­tung. Wir wollen aber heute, trotz der ein­ge­schla­genen und si­cher in die Zeit pas­senden Fuß­ball­me­ta­phorik, nicht eine neu­er­liche Ab­rech­nung mit der Zähl­bar­keit­s­ideo­logie in der heu­tigen Bil­dungs­welt auf­legen. Unter Hin­zu­zie­hung dieser Me­ta­phorik käme man auch schnell auf ge­dank­liche Ab­wege oder gar ins er­hel­lende Ab­seits – sollten wir als Schule, als Gym­na­sium, das in der ersten Liga spielt, bei et­waigen nicht so guten Er­geb­nissen oder sogar bei einem hin­terem Ta­bel­len­platz viel­leicht Top-Schüler-Spieler von außen zu­kaufen, d.h. solche, die den An­schein geben, ir­gend­wann mit einem Spit­zena­bitur auf­zu­warten? Oder sollten wir viel­leicht bru­talst­mög­lich hin­gehen, und un­sere gym­na­siale Mann­schaft von all sol­chen Mit­spie­lern säu­bern, deren Leis­tung nicht je­der­zeit ver­spricht, einen Spit­zen­platz zu ga­ran­tieren, nur weil sie viel­leicht mal ein pu­ber­täres Form­tief haben oder die Leis­tungs­ein­stel­lung auf Grund einer häus­li­chen Krise ge­rade nicht stimmt. Nein, genau das haben wir mit Ihnen und ihrem Jahr­gang nicht ge­macht, was an­dern­orts durchaus die Regel ist, nein das Goethe-Gym­na­sium hat - al­ler­dings unter Ein­satz viel­fach mah-nender Worte doch im Prinzip an Sie und Ihren Er­folg ge­glaubt, so dass wir heute Abend mit Recht ihr be­stan­denes Abitur feiern können. Und folg­lich habe ich auch nicht vor, eine neu­er­liche Bil­dungs­po­li­ti­ke­rIn­nen­kritik oder ähn­liche ‚Din­gers’ auf­zu­legen. Nein, die ge­wählte Me­ta­phorik bietet heute in einer fuß­ball­be­sof­fenen Zeit und zu­gleich in dem Mo-ment, wo Sie der Schule end­gültig den Rücken kehren, eine viel tiefer grei­fende Mög­lich­keit, über Po­litik in der heu­tige Zeit, Ihre be­ruf­li­chen Per­spek­tiven darin und Ihre per­sönli-chen und öko­no­mi­schen Ent­wick­lungs­chancen zu sin­nieren.

Fangen wir dazu im Sinne von guten Ratschlägen zu­nächst ganz harmlos bei der ersten Di­men­sion, dem Ver­dienst an. Sie alle werden über kurz oder lang ein­treten in den Wett­be­werb um die rich­tige Be­zah­lung ihrer Leis­tungen und Künste. Für die an­ge­mes­sene Ball- oder Kun­den­be­hand­lung zahlen Ar­beit­geber wie Ver­eine ge­rade bei jungen Leute stets eine Hoff­nungs- und Ent­wick­lungs­kom­po­nente – also sind Sie gut be­raten sich hier richtig auf­zu­stellen und sich so prä­sen­tieren, dass man diese in Sie setzen kann. Seien Sie aber nicht gleich frus­triert, wenn man von Ihnen, an­ders als bei un­seren Top-Ki­ckern, ein (oder meh­rere) un- oder mäßig be­zahlte Prak­tika ver­langt, so dass Sie sich ir­gend­wann als zu­ge­hörig zur so ge­nannten Ge­ne­ra­tion Prak­tikum fühlen, ein Leben mit fast ohne Geld bei vollem Ar­beits­aus­gleich. Dabei sein ist alles, man kann auch von der Luft der großen weiten Busi­ness-Welt leben. Wenn Sie dem al­ler­dings ent­gehen wollen, halten Sie sich an die Vor­bilder dieser Tage: zeigen Sie Spiel­witz und Ori­gi­na­lität, bieten Sie Si­cher­heit und Ver­läss­lich­keit, lie­fern Sie Ideen und er­weisen Sie sich zu­gleich als tech­nisch ver­siert. Prä­sen­tieren Sie sich auch mit in­ter­na­tio­nalen Er­fah­rungen oder so­zialem En­ga­ge­ment, was Sie – falls Sie z.B. jetzt War­te­zeiten haben, gut noch an­schließen könnten. Und zeigen Sie auch, dass Sie vom Goethe-Gym­na­sium Team­fä­hig­keit und Team­geist mit­ge­nommen haben, so wie es jüngst die Dar­steller und Mu­siker ihres Jahr­gangs in ihren ‚Par­al­lel­welten’ oder beim ‚Schall ist rund’ oder ‚Geld macht Glück­lich’ unter Be­weis ge­stellt haben – dann werden Sie ver­mut­lich zwar nicht gleich mit Wer­be­auf­trägen für di­verse Milch­schnitten, Yo­ghurts oder Scheck­karten über­häuft, aber doch hof­fent­lich mit der Frage kon­fron­tiert, wie denn bit­te­schön die Ge­halts­vor­stel­lungen sind. Und be­wahren Sie auch kri­ti­sche Di­stanz zu diesem milch­schnit­tigen Glauben an den jah­re­lang er­lebten so­fort-Cash nach viel­leicht nur 15 Se­kunden Wer­bung oder nach den drei Mi­nuten und 11 Se­kunden eines Pop­songs mit astro­no­mi­schen Ein­spiel­summen, ja be­wahren sie grund­sätz­lich kri­ti­sche Di­stanz zur Droge Geld, die ge­rade bei heu­tigen Kin­dern und Ju­gend­li­chen die Köpfe um­ne­belt und even­tuell auch bei Ihnen die Wich­tig­keit von so­lider Aus­bil­dung und schritt­weisem Er­fah­rungs­ge­winn in den Schatten treten lassen könnte. So­weit also ganz harmlos aus der Ab­tei­lung wohl-mei­nender Le­bens­ratschläge.

Schwie­riger wird es al­ler­dings, Ihnen Rat zu geben zu einer zweiten Di­men­sion von Ent­wick­lungs­per­spek­tiven, die sich uns bild­haft tag­täg­lich auf dem grünen Rasen prä­sen­tieren. Es ist in der Tat eine Freude das ge­lebte ’Zu Gast bei Freunden zu sehen’; die Li­be­ra­lität und To­le­ranz ver­schie­denster Men­schen aus allen mög­li­chen Län­dern, die Sieg oder Nie­der­lage ‚Ihrer’ je­wei­ligen Mann­schaften Schulter an Schulter mit an­ders Ein­ge­stellten bei Pu­blic-View­ings oder in den Sta­dien er­leben, wo ein neues spie­le­ri­sches Zu­ge­hö­rig­keits­ge­fühl zu einer Marke, einem Verein oder einem Land auch mit einem Fähn­chen­schwenken ein­her­geht, Und ich freue mich, dass dieses in un­serem Land mög­lich ist, ohne dass krie­ge­ri­sche Ur­ge­lüste ge­weckt werden und dumpfer Na­tio­na­lismus re­cy­celt wird. Was dort tag­täg­lich zu sehen ist, be­weist viel­mehr, das viele Men­schen auch mental in der glo­ba­li­sierten Welt an­ge­kommen sind, da in der Tat – weil be­reits Ka­pi­tal­ver­kehr und Wa­ren­aus­tausch welt­weit fast völlig frei er­folgen - das Ein­mar­schieren beim nächsten oder über­nächsten Nach­barn nicht mehr so furchtbar viel Sinn macht. Das haben zwar noch nicht alle Re­gie­rungen und Prä­si­denten dieser einen Welt be­griffen, aber man wird das noch lernen – und sei es da­durch, dass diesen die Kosten für eine un­zeit­ge­mäße Pro­duk­ti­ons­weise aus dem Ruder laufen. Aber der grüne Rasen macht auch über­deut­lich, dass auch eine wei­tere Kom­po­nente der Glo­ba­li­sie­rung be­reits Rea­lität ge­worden ist: Unten auf dem Grün wird mit Händen greifbar, dass auch die Schranken für die Frei­zü­gig­keit der Ar­beit end­gültig weg­ge­bro­chen sind, wir sehen dort unten die mo­dernen Wan­der­ar­beiter, die in diesem Falle ex­trem hoch be­zahlt heute für den, morgen für jenen Staat, Verein oder Kon­zern auf­spielen. Leider – und das ist ge­gen­wärtig ein Di­lemma und zu­gleich schrei­ende Un­ge­rech­tig­keit - gibt es auch ex­trem schlecht be­zahlte Wan­der­ar­beiter oder viel­fach sogar nur Hun­ger­löhne. Die Heer­scharen von Mi­granten nach Eu­ropa oder von Chi­canos, die aus Me­xiko in die USA wan­dern, sind ein au­gen­fäl­liges Bei­spiel. Und auch die Ge­ne­ra­tion Prak­tikum ist ein Ele­ment dieser Ent­wick­lung und wird auch vor Ihnen nicht halt ma­chen: Denn warum sollte man z.B. einem Be­rufs­an­fänger als Ar­chi­tekten bei uns, der Bau­zeich­nungen am Com­puter bas­telt, über­haupt nen­nens­wert be­zahlen, wenn man für die selbe Leis­tung und Qua­lität in In­dien nur ein Zwan­zigstel be­zahlen muss und die men­tale Leis­tung mit zwei Klicks hin- und zu­rück ge­schickt werden kann? Also er­scheint das Prak­tikum doch genau als das pas­sende Ar­beits­ver­hältnis. Frei­willig wird erst dann mehr ge­zahlt werden, wenn so­viel Kom­pe­tenz­zu­wachs er­langt wurde, dass man auf diesem Markt kon­kur­renzlos oder un­ver­zichtbar ist. In diesem Satz steckt auch zu­gleich der Rat, den die Schule Ihnen heute mit gibt – feiern Sie ruhig hier und heute aus­giebig Ihren Er­folg, aber ruhen Sie sich nicht auf diesen Lor­beeren aus. Und ein zweiter Rat­schlag ge­hört auch dazu, von einer Schule, die sich stets dem so­zialen Aus­gleich ver­schrieben hat und kehren Sie dazu noch einmal zu­rück zu dem Bild der ver­schie­densten Na­tio­na­li­täten, die auf dem Hei­li­gen­geist­feld oder sonst wo in der Re­pu­blik ge­meinsam feiern und stellen Sie sich mit mir ge­meinsam der Frage, wieso schaffen Men­schen ver­schie­dener Na­tio­na­li­täten nicht ebenso ein­mütig und zügig ein­heit­liche Ar­beits- und So­zi­al­stan­dards, so dass eine Kon­kur­renz über ein So­zi­al­dum­ping un­mög­lich wird? In der Um­welt­po­litik hat das doch auch gar nicht so lange ge­dauert, wenn man die Zeit von den ersten Turn­schuhen im deut­schen Bun­destag bis zur welt­weiten FCKW-Äch­tung be­trachtet – da kann man Sie doch fast auf­rufen, sich schleu­nigst ver­gleichs­weise so­zi­al­po­li­ti­sche Treter un­ter­zu­schnallen und die Be­sei­ti­gung des Prak­ti­kan­te­nun­we­sens hier wie dort zu for­dern, und: geht nicht – gilt nicht, denn Tep­piche aus Kin­der­hand­ar­beit gelten nicht nur bei IKEA schon nicht mehr als schick. Und etwas Drittes, was Sie – selbst­kri­tisch ge­sagt – viel­leicht an un­serer Schule nicht genug ge­lernt haben, lassen Sie sich in dieser Di­men­sion auch mit­geben: For­de­rungen nach an­ge­mes­sener Be­zah­lung und Ar­beits­be­din­gungen setzt man nicht durch frei nach dem hier vor nicht allzu langer Zeit ge­hörtem Song – ‚Hey Boss, ich brauch mehr Geld’, son­dern da muss man sich schon an das Vor­bild der Ärz­te­schaft halten, deren jüngster Er­folg maß­geb­lich darin be­gründet war, dass sie sich ge­meinsam or­ga­ni­siert hatten und oben­drein ganz prak­tisch mit der Glo­ba­li­sie­rung drohen konnten – ihre Fä­hig­keiten werden eben welt­weit ge­braucht. Und dazu muss man ge­ge­be­nen­falls auch völlig neue Or­ga­ni­sa­ti­ons­formen schaffen, eben in­ter­na­tio­nale - hier gibt es eine Menge zu tun, also pa­cken Sie es an.

Und eine dritte Di­men­sion, die die Fuß­bal­leu­phorie dem auf­merk­samen Be­ob­achter heute nahe legt, sei zum Schluss an­ge­fügt und die for­dert die Wei­ter­ent­wick­lung von Ihnen als Abi­tu­ri­en­tinnen und Abi­tu­ri­enten des Goethe-Gym­na­siums zu po­li­tisch han­delnden Subjek-ten in un­serer Zeit und un­seren Län­dern, in denen nicht nur im Staate Dä­ne­mark etwas faul ist – viel­leicht dort sogar we­niger als an­derswo.

Es ist ge­gen­wärtig im Fuß­ball und in Ham­burg viel Geld un­ter­wegs, es wird fix was ver­dient und manch einer macht ge­gen­wärtig si­cher die Ge­schäfte seines Le­bens. Aber wird von denen, die jetzt auf der Son­nen­seite stehen, auch fair mit der All­ge­mein­heit, dem Mit­spieler ‚Staat’ um­ge­gangen? Han­delt man nach der Ma­xime der ‚ehr­li­chen Kauf­leute’ und werden tat­säch­lich zu­min­dest die Un­kosten dieser Ge­schäf­te­ma­cherei der Ge­sell­schaft zu­rück­ge­geben, oder wird auch dieser Min­dest­stan­dard über­gangen mit dem schnöden Hin­weis auf die zu zah­lenden Steuern, die man an­dern­orts durch ge­schickte Bi­lanz­ma­ni­pu­la­tionen zu ver­meiden schafft? Man gerät doch durchaus ins Grü­beln, wenn man jetzt An­fang der Wo-che lese konnte, dass der Verein, von dem hinten in der Vi­trine sogar ein Fuß­ball liegt, die Fern­seh­rechte für die nächsten 7 Jahre für eine Mil­li­arde Euro ver­kauft hat; mit dieser Summe, die der FC Bar­ce­lona jetzt ein­nimmt, könnten Sie locker alle Ge­hälter des Goethe-Gym­na­sium, von der Putz­frau bis zum Schul­leiter für die nächsten 400 Jahre be­zahlen. Und wir selbst sind be­reits Tritt­brett­fahrer dieses Sys­tems, in dem wir von dem Fuß­ball­zirkus pro­fi­tieren und Sport­halle und Sport­platz WM-taug­lich sa­niert be­kommen haben – nicht etwa aus Miet­gel­dern der FIFA – die hat die Halle nach der Vor­gabe des Se­nats miet­frei er­halten - son­dern in dem ach so knappen Bau­etat der Schul­be­hörde wurde un­sere Schule nur vor­ge­zogen, da Ham­burg sich ja nicht lumpen lassen kann und ein über 25 Jahre vom vielen Schü­ler­schweiß ab­ge­nutzten Ge­bäude der in­ter­na­tio­nalen Vol­un­teer­garde überlas-sen kann – hat hier je­mand ge­rufen ‚das sind ja auch Prak­ti­kanten’? Nein die Wirk­lich­keit einer armen Stadt mit ei­nigen sehr rei­chen Leuten wird auch in Lurup ge­treu der ne­ro­i­schen Po­li­tik­formel ‚panem et cir­censes’ insze­niert. Ich will ja nicht als Spiel­ver­derber auf­treten, aber da Ver­träge und Ge­setze von Men­schen ge­macht werden, möchte ich auch heute auf Sie als künftig mei­nungs­starke Wähler oder gar po­li­tisch Ver­ant­wort­liche setzen und Ihnen die Frage mit­geben, wes­wegen ver­mietet die Stadt und ihre ge­wählten Re­genten so ein tolles Sport­ge­lände wie un­seres nicht an die FIFA zu marktüb­li­chen Preisen und er­wirt­schaftet damit einen großen Batzen der Sa­nie­rungs­kosten? Oder warum wird der ge-samte staat­liche Si­cher­heits­ap­parat inklu­sive vor­ge­hal­tenen ab­schuss­be­reiten Ab­fang­jets nicht den Ver­an­stal­tern in Rech­nung ge­stellt? Man könnte mit diesen Gel­dern ohne große Pro­bleme auch die Sa­nie­rung von sol­chen Turn­hallen be­zahlen, die nicht die Mo­no­pol­stel­lung haben wie wir, nur 500 Meter ent­fernt vom ge­gen­wär­tigen Nabel der Stadt ent­fernt zu liegen. Das gilt üb­ri­gens auch für an­dere Events: wenn ich mich abends aus der Schule nach Hause be­wegen will, stellt sich mir schon die Frage, wieso ei­gent­lich all die ver­kehrs­re­gelnden Po­li­zisten nach einem Me­gae­vent aus dem Staats­sä­ckel be­zahlt werden, wäh­rend ich als Schul­leiter kom­ple­mentär dazu ge­rade wieder ge­nö­tigt war, die Klassen und Kurse kon­tra­pro­duktiv zu einem zu­kunfts­ori­en­tierten Lernen gna­denlos voll zu stopfen, damit im Er­gebnis Mu­sik­busi­ness und ein­zelne Künstler sowie Fuß­ball­in­dus­trie noch grö­ßere Mil­lio­nen­ge­winne ein­strei­chen. Es würde fast nie­mandem wehtun, wenn die Ver­eine viel­leicht nicht 20 oder 50 Mil­lionen Ab­lö­se­summe ab­drücken würden, son­dern frei nach dem Ver­ur­sa­cher­prinzip eine ent­spre­chend hohe Rech­nung an die Stadt für ‚Se­cu­rity Ser­vices’ be­glei­chen müssten oder wenn ei­nige Spieler statt sechs­stel­lige nur fünf­stel­lige Ge­hälter er­halten würden – pro Woche, ver­steht sich.

Ich will damit an­läss­lich Ihres Abitur und des bisher ge­lun­genen Fuß­ball­festes keine Neid­de­batte an­regen, aber wir wären schlechte Päd­agogen, wenn wir nicht auch an die Ver­bes­se­rungs­fä­hig­keit der Re­geln des Zu­sam­men­le­bens und -wirt­schaf­tens in un­serem Land glauben würden. Und än­der­bare Zu­stände, die ins­ge­samt und nicht nur im Sport - dazu führen, dass in un­serem Land nur gut 5% des Brut­to­so­zi­al­pro­dukts in die Bil­dung der nach­wach­senden Ge­ne­ra­tion ge­steckt werden und nicht wie bei den Spit­zen­rei­tern in der PISA-Liga wie Finn­land, Schweden oder Ka­nada gar 7%, gibt es bei ge­nau­erem Hin­sehen si­cher viele.

Und trotz so hohen Hand­lungs­be­darfs lassen Sie uns heute ge­meinsam feiern und freuen. Freuen wir uns, dass schon viel er­reicht worden ist – manch einer von Ihnen hätte vor 50 Jahren den heu­tigen Ab­schluss nicht er­rei­chen können, weil er nicht von ent­spre­chendem Stand war oder die El­tern nicht das nö­tige Klein­geld hatten. Und dass Sie es heute ge­schafft haben, liegt in dem einen oder an­derem Fall auch am En­ga­ge­ment Ihrer Lehrer, denen ich hiermit mit Nach­druck für die ge­leis­tete Ar­beit meinen Dank aus­spreche. Dass Sie es ge­schafft haben, liegt vor allem aber auch an Ihnen selbst, denn ob­wohl Ihre Lern­be­din­gungen von Spar­haus­halten un­ter­graben wurden und Sie durch Zen­trala­bi­turan­forde-rungen noch weiter de­zi­miert werden sollten, haben Sie sich trotzdem durch­ge­bissen. In­so­fern haben Sie sich also un­merk­lich selbst bes­tens ge­rüstet, um unter sich lau­fend ver­schlech­ternden Be­din­gungen zu be­haupten – das sollte Ihnen Mut und Zu­ver­sicht geben, in eine un­si­chere Zu­kunft zu gehen.

Aber viel­leicht ist neben Ihnen auch ein vir­tu­eller Platz von je­mandem frei, von einem oder einer, an die Sie sich erin­nern und die es nicht ge­schafft haben, weil der Staat, un­sere Schule und un­sere Ge­sell­schaft nicht das nö­tige Klein­geld hatten, die an­ge­mes­sene För­de­rung und Un­ter­stüt­zung zu ge­währen. Wir sollten alle ge­meinsam daran ar­beiten, dass spä­tes­tens, wenn Sie Ihre Kinder am Goethe-Gym­na­sium an­melden, eine solche Bil­dungs­po­litik der Ver­gan­gen­heit an­ge­hört. Es ist noch Ei­niges zu tun und wir bauen da auf Sie, dass wir ge­meinsam dieses Zu­kunfts­pro­jekt an­gehen.

 

Egon Tegge - Schul­leiter 07/2006

Terminkalender

<<  Mai 2012  >>
 Mo  Di  Mi  Do  Fr  Sa  So 
   1  2  3  4  5  6
  7  8  910111213
141516171920
2124252627
   

Aktuelle Termine

Newsfeeds + Kalender

Die aktuellen Goethe-News direkt auf Ihren Desktop.

  • Alle News Alle News
  • Bibliotheksnews Bibliotheksnews
  • Hauptnews Hauptnews
  • Termine Termine

Den Kalender herunterladen (zum Importieren in Outlook oder Google Calendar).


Impressum | Intern | Kontakt | Sitemap | Rechtliche Hinweise + Datenschutz

© Copyright 1997-2010 Goethe-Gymnasium Hamburg.