Freiheit - das wird schon!

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Drei Tage total aus­ver­kauft! - Super-Show im Goethe-Gym­na­sium. Immer dann, wenn in Lu­rups Goethe-Gym­na­sium wieder einmal eine „Re­vue“ an­ge­kün­digt wird, ver­su­chen Kenner der Mu­siks­zene im Ham­burger Westen, ihre Ter­min­ka­lender frei­zu­halten und die be­gehrten Ein­tritt­stickets zu er­gat­tern. Seit langem weiß man, dass hier etwas Ex­zep­tio­nelles ge­boten wird.Und in diesem Jahr haben die Schü­le­rinnen und Schüler zu­sammen mit ihrer Leh­rerin und Be­treuern eine ge­ra­dezu per­fekte Per­for­mance zu­stande ge­bracht.

Dabei nimmt die An­zahl der Be­tei­ligten immer mehr fast gi­gan­ti­sche Aus­maße an: 85 Mit­glieder um­fasst al­lein der Große Chor, dazu kommen der Kam­mer­chor, eine Band und die vielen dienst­baren Hel­fe­rInnen im Hin­ter­grund, die für die Technik, die Re­qui­siten, die Bühne, die Ko­stüme und an­dere wich­tige Dienst­leis­tungen sorgen.

Eine solche viel­köp­fige, viel­keh­lige und viel­bei­nige Truppe im Griff zu be­halten, und das fast 3 Stunden lang, dieses Kunst­stück ge­lang Astrid De­mattia und den „Ehe­ma­li­gen“, Chri­stoph Gott­schalch (Dra­ma­turgie) und An­dreas Busch (Cho­reo­gra­phie), auf be­ein­dru­ckende Weise: „Der Große Chor des Goethe-Gym­na­siums prä­sen­tiert...: Frei­heit! Das wird schon.“ Dar­unter konnte man sich zu­nächst einmal alles Mög­liche vor­stellen, viel­leicht sogar etwas Po­li­ti­sches.

Aber eine mit leichter Hand insze­nierte Rah­men­hand­lung (Chri­stoph Gott­schalch) führt die Zu­schauer in ein Ge­fängnis („Santa Lu“), in dem man sich auf eine Ju­bi­lä­ums­ver­an­stal­tung und zu­gleich auf einen Aus­bruchs­ver­such vor­be­reitet.

Es gibt Sei­ten­hiebe auf den mo­dernen Straf­vollzug, auf on­line-Ma­chen­schaften der Si­cher­heits­be­hörden, auf kaum kon­trol­lierte Will­kürakte der Voll­zugs­be­amten, ja selbst eine leib­haf­tige Jus­tiz­mi­nis­terin tritt auf („Frau Dr. Zyp­zik“), und meh­rere ein­ge­floch­tene Lie­bes­ge­schichten bieten die Ge­le­gen­heit, auch schmach­tende Ge­sangs­so­listen in Szene zu setzen.

In „Santa Lu“ finden Jubiläumsveranstaltung und Ausbruchsversuch stattIn „Santa Lu“ finden Jubiläumsveranstaltung und Ausbruchsversuch stattMick Jagger hätte sich zu­min­dest die Augen ge­rieben, ganz ge­wiss aber die Ohren ge­spitzt,
wenn er er­lebt hätte, wie char­mant und stimm­ge­waltig er von Anna Beilner ge­dou­belt wurde. Chris Pau­lenz ge­lang eine hin­rei­ßende Elvis-Par­odie, und An­dreas Busch ver­lieh mit seinen Jungs der guten, alten YMCA-Hymne neuen, das Pu­blikum mitrei­ßenden Schwung.

Chris Paulenz gelang eine hinreißende Elvis-ParodieChris Paulenz gelang eine hinreißende Elvis-ParodieNicht minder rissen Martin Westhof und Lars Gloe mit ihren glän­zend vor­ge­tra­genen Soli das Pu­blikum zu Be­geis­te­rungs­stürmen hin.

Im Zen­trum aber standen der Große Chor und der Kam­mer­chor. Klas­siker der Beach Boys und an­dere Hits aus den 1960er Jahren konnten das Pu­blikum, junge und alte An­hänger der Pop-Ge­ne­ra­tion, hellauf be­geis­tern.

Anna Beilner doubelt stimmgewaltig Mick JaggerAnna Beilner doubelt stimmgewaltig Mick JaggerZum Schluss hatten sich die Ideen-Ent­wickler des Goethe-Gym­na­siums noch einen echten „Knal­ler“ ein­fallen lassen: Die ge­samte Santa-Lu-Be­sat­zung ging nach dem ge­schei­terten Aus­bruchs­ver­such buch­stäb­lich in Sack und Asche, und trug als Ge­fan­ge­nen­chor in Ge­wän­dern aus Kar­tof­feln­sä­cken gehüllt aus Verdis „Na­bucco“ vor und de­mons­trierte dabei die stimm­liche Wucht, zu der dieser Chor in der Lage ist.

Es war aber nur der Auf­takt zu einer Per­for­mance, die die Rocky-Horror-Pic­ture-Show aus den 70ern wieder au­fer­stehen ließ. Die Bühne ver­wan­delte sich in Se­kunden in ein wahres Toll­haus, in dem die Lust an pro­vo­kanter Ko­stü­mie­rung und an par­odis­ti­schem Ge­sang eine über­schäu­mende Stim­mung er­zeugten.
In der Aula schmolz man dahin.

Fast passte es nicht mehr in die aus­ge­las­sene At­mo­sphäre, als den En­sem­bles von Großem Chor, Kam­mer­chor und der Band vom „Ver­band deut­scher Schul­mu­si­ker“ je­weils eine Aus­zeich­nung im Rahmen von „Ham­burger Schulen mu­si­zie­ren“ ver­liehen wurde. Die Ver­tre­terin des Ver­bandes hob die Pro­fes­sio­na­lität der Revue hervor, und nie­mand mochte ihr wi­der­spre­chen, auch nicht der an­we­sende Herr Be­zirksamts­leiter und der zu­stän­dige Schulauf­sichts­be­amte, die ver­gnügt mit ihren Fuß­spitzen ge­wippt hatten und die es als die Ersten zu Stan­ding Ova­tions von den Sitzen riss. Min­des­tens fünf Zu­gaben er­klatschten sich die be­geis­terten Zu­schauer trotz der heißen Tem­pe­ra­turen am Pre­mie­ren­abend.

Trotz deut­lich grö­ßerer neuer Lo­ca­tion in Lu­rups neuem Kul­tur­tempel am Goethe-Gym­na­sium – im nächsten Jahr muss es wohl mehr als nur drei Auf­füh­rungs­ter­mine geben, da alle Ver­an­stal­tungen schon Tage vorher bis auf den letzten Platz aus­ver­kauft waren.

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