Geschichte

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Ge­schichts­un­ter­richt am Goethe-Gym­na­sium ist ein Un­ter­richt, der mo­dern und an­schau­lich das In­ter­esse der Schü­le­rinnen und Schüler an Ge­schichte we­cken will, der sie an­regt, Fragen zu stellen, zu for­schen und sich ein ei­genes Ur­teil zu bilden. Die Ver­mitt­lung von me­tho­di­schen und Ur­teils­kom­pe­tenzen ist vor­ran­giges Ziel des Un­ter­richts. Die Teil­nahme an Wett­be­werben wird ge­för­dert.

Ge­schichts­wett­be­werb

Ge­schichte wird le­bendig

Wie kann sich ein Sechst­klässler in das ent­beh­rungs­reiche Leben eines Stein­zeit­menschen hin­ein­ver­setzen? Er mahlt zwi­schen zwei Steinen selber Mehl und backt daraus Bröt­chen. Oder er baut sich bei Regen einen Un­ter­schlupf aus Fellen.

Wie be­kommt ein Siebt­klässler eine Vor­stel­lung davon, wie Bauern im Mit­tel­alter ge­lebt haben? Er pro­biert mit Honig ge­süßte Buch­wei­zen­grütze. Oder er schlüpft in die Rolle eines Bauern und bittet den Grund­herrn um Er­laubnis, zu hei­raten. Wie ver­steht ein Acht­klässler, was eine Ma­nu­faktur ist und welche Ver­än­de­rungen sie für die Men­schen be­deutet hat? Er er­lebt bei einem Wett­kampf mit seinen Mit­schü­lern, dass in Ar­beits­tei­lung  Waren schneller her­ge­stellt werden können, die Ar­beit aber ein­tö­niger wird.Sally Perel (Hitlerjunge Salomon) mit Goethe-SchülerinnenSally Perel (Hitlerjunge Salomon) mit Goethe-Schülerinnen

Auch für äl­tere Schü­le­rinnen und Schüler gibt es – neben der Ar­beit mit Text-, Bild- und Ton­quellen – viel­fäl­tige Mög­lich­keiten, Ge­schichte le­bendig werden zu lassen. Hierzu zählen Ex­kur­sionen zu Orten in Ham­burg, in denen deut­sche Ko­lo­ni­al­ge­schichte greifbar wird, oder zum ehe­ma­ligen KZ Neu­en­gamme ebenso wie Ge­spräche mit Zeit­zeugen.

Ge­schichte in der Be­ob­ach­tungs- und Mit­tel­stufe

Die drei zen­tralen Kom­pe­tenzen, die Schü­le­rinnen und Schüler im Ge­schichts­un­ter­richt er­werben sollen, sind: Ori­en­tie­rungs­kom­pe­tenz, Me­tho­den­kom­pe­tenz und Ur­teils­kom­pe­tenz.

Das Fach Ge­schichte wird am Goethe-Gym­na­sium ver­bind­lich von der 6. bis zur 10. Klasse mit zwei Stunden pro Woche un­ter­richtet. Die Schü­le­rinnen und Schüler er­ar­beiten sich zu­nächst chro­no­lo­gisch Grund­züge der Ge­schichte von der Stein­zeit bis zum aus­ge­henden 20. Jahr­hun­dert. Neben po­li­ti­schen werden auch wirt­schaft­liche, so­ziale und kul­tu­relle Ent­wick­lungen be­han­delt. Auf diese Weise lernen die Schü­le­rinnen und Schüler, sich in der Zeit zu ori­en­tieren.

In Epo­chen über­grei­fenden Längs­schnitten ar­beiten sie dar­über hinaus zu grund­sätz­li­chen und bis heute re­le­vanten Fra­ge­stel­lungen, wie z.B.: Warum führen Men­schen ge­gen­ein­ander Krieg? Warum ver­lassen Men­schen ihre Heimat?

Da­neben schult der Ge­schichts­un­ter­richt am Goethe-Gym­na­sium ge­zielt und sys­te­ma­tisch die  Me­tho­den­kom­pe­tenzen. Die Schü­le­rinnen und Schüler for­schen selbst: Sie ent­wi­ckeln ei­gene Fra­ge­stel­lungen und su­chen selbst­ständig Ant­worten auf ihre Fragen. Im Mit­tel­punkt steht dabei die Be­schäf­ti­gung mit Ori­gi­nal­quellen. Ori­gi­nal­texte, Bild- oder Ton­do­ku­mente un­ter­su­chen sie dar­aufhin, was sie uns über das Leben der Men­schen ‚er­zählen’. Gleich­zeitig üben sie sich darin, zu über­prüfen, ob das, was die Quelle ‚er­zählt’, der Wahr­heit ent­spricht. Auf diese Weise lernen sie, dass Ge­schichte nicht ein­fach ‚ist’, son­dern von Men­schen kon­stru­iert wird. Ins­be­son­dere bei den Längs­schnitten lernen die Schü­le­rinnen und Schüler, sys­te­ma­tisch zu re­cher­chieren und über­zeu­gend zu prä­sen­tieren: Ei­gen­ständig tragen sie In­for­ma­tionen zu­sammen – zu­nächst aus dem Schul­buch, später auch aus der schu­lei­genen Bi­blio­thek mit ihrem rei­chen Ge­schichts­be­stand und aus dem In­ternet. Sie ent­wi­ckeln Kri­te­rien, um  glaub­wür­dige von wenig glaub­wür­digen In­for­ma­ti­ons­quellen zu un­ter­scheiden. Ihre Er­geb­nisse stellen sie auf Lern­pla­katen, am Over­head-Pro­jektor und später mit einem Prä­sen­ta­ti­ons­pro­gramm vor.

Damit das Wissen über frü­here Zeiten für die Schü­le­rinnen und Schüler per­sön­lich re­le­vant wird, lernen sie, sich eine ei­gene, be­grün­dete Mei­nung zu ge­schicht­li­chen Ent­wick­lungen und Er­eig­nissen zu bilden. Diese Ur­teils­kom­pe­tenz wird am Goethe-Gym­na­sium schon ab der 6. Klasse ge­schult: Welche Vor- und Nach­teile hatte das Leben als Acker­bauer und Vieh­züchter ge­gen­über dem eines Samm­lers und Jä­gers? War die Art und Weise, wie im an­tiken Grie­chen­land Ent­schei­dungen ge­troffen wurden, ge­recht – ver­gli­chen z.B. mit dem alten Ägypten, ver­gli­chen aber auch mit dem, was wir heute für ge­recht halten? Was ist ei­gent­lich ein Staat und wie kann er am besten or­ga­ni­siert werden? Welche Vor­teile und welche Pro­bleme brachte die In­dus­tria­li­sie­rung mit sich? Wer trug die Schuld am Er­starken des Na­tio­nal­so­zia­lismus? Das sind nur ei­nige der vielen Fragen, die im Ge­schichts­un­ter­richt dis­ku­tiert werden.

Ge­schichte in der Ober­stufe

Stärker noch als in der Mit­tel­stufe wird in der Ober­stufe wis­sen­schaftspro­pä­deu­tisch ge­ar­beitet mit den zen­tralen Bau­steinen: Fra­ge­stel­lungen ent­wi­ckeln, re­cher­chieren, Quellen ana­ly­sieren und in­ter­pre­tieren,  be­ur­teilen, prä­sen­tieren. Die Schü­le­rinnen und Schüler er­ar­beiten sich auch  kom­ple­xere Fra­ge­stel­lungen ei­gen­ständig. Dar­über hinaus üben sie sich darin, zu un­ter­su­chen, aus wel­cher Per­spek­tive ein Text ver­fasst ist: Wie z. B. be­ur­teilen un­ter­schied­liche Sacht­exte die Ent­de­ckung und Erobe­rung La­tein­ame­rikas? Wie haben Kri­tiker und Be­für­worter der Nürn­berger Pro­zesse ihre Po­si­tion be­gründet?  Mehr noch als in der Mit­tel­stufe ent­wi­ckeln die Schü­le­rinnen und Schüler in der Ober­stufe ei­gene Po­si­tionen zu his­to­ri­schen Ent­wick­lungen und Ent­schei­dungen.

Ge­schichte als Wahl­kurs au­ßer­halb des Pro­fils

In der Ober­stufe können die Schü­le­rinnen und Schüler Ge­schichte als zwei­stün­diges Fach au­ßer­halb der Pro­file wählen.

Hier kon­zen­triert sich der Un­ter­richt, ähn­lich wie bei den Längs­schnitten der Mit­tel­stufe, pro Se­mester je­weils auf ein ge­sell­schafts­po­li­tisch re­le­vantes Thema, das an­hand einer oder meh­rerer Epo­chen un­ter­sucht wird. Am Goethe-Gym­na­sium hat die Fach­kon­fe­renz fol­gende Fest­le­gungen ge­troffen:

 

 

Thema:

Macht und Herr­schaft in der eu­ro­päi­schen Ge­schichte

Thema: Mo­der­ni­sie­rung in  Wirt­schaft und Ge­sell­schaft

Thema:

Staat und Na­tion in der deut­schen Ge­schichte des 19. und 20. Jahr­hun­derts

Thema:

Le­bens­welten und Welt­bilder in ver­schie­denen Kul­turen

Epoche:

Frühe Neu­zeit
(15. –18. Jh.)

 

 

 

 

Ko­lo­nia­lismus

Epoche:

Das „lange“ 19. Jahr­hun­dert

 

 

In­dus­tri­elle Re­vo­lu­tion

 

 

 

 

 

 

 

Schwer­punkt:

Deut­sche Tei­lung / Eu­ro­päi­sche In­te­gra­tion

 

Epoche:

Das „kurze“ 20. Jahr­hun­dert:
Die Zeit bis 1945

 

NS-Dik­tatur /
Rus­si­sche Re­vo­lu­tion/
Sta­li­nismus

 

 

 

Epoche:

Das „kurze“ 20. Jahr­hun­dert:
Die Zeit nach 1945

 

 

 

Ge­schichte als Be­gleit­fach im Profil Klang­Welt­Bild

Ge­schichte ist als zwei­stün­diges Fach im Profil Klang­Welt­Bild ver­an­kert. Die Schü­le­rinnen und Schüler wählen al­ter­nativ Musik oder Kunst als Profil ge­bendes Fach und be­legen dann alle ge­meinsam die Kurse Ge­schichte, Phi­lo­so­phie und das Se­minar.

Die Se­mester im Profil stehen unter den fol­genden Themen: ›Was ist Schön­heit?‹ (S1), ›Welt im Um­bruch – Auf­bruch in die Mo­derne‹ (S2), ›Liebe, Eros, Be­gehren – und Tod‹ (S3) und ›Ra­sender Still­stand‹ (S4).

Im Ge­schichts­un­ter­richt er­ar­beiten sich die Schü­le­rinnen und Schüler ei­ner­seits den his­to­ri­schen Hin­ter­grund der Ent­wick­lungen, die in der Kunst und in der Musik statt­ge­funden haben. Dabei treten die ge­sell­schaft­li­chen Be­din­gungen, unter denen Kunst und Musik sich ent­wi­ckeln, hervor.

Dar­über hinaus nä­hert sich der Ge­schichts­un­ter­richt, aus­ge­hend von den Ka­te­go­rien ›Macht und Herr­schaft‹, ›Mo­derne‹, ›Na­tion‹ und ›Kul­tur­kon­takt‹,  den Se­mes­tert­hemen aus spe­zi­fisch his­to­ri­scher Per­spek­tive: Wie wirkten po­li­ti­sche, ge­sell­schaft­liche und wirt­schaft­liche Be­din­gungen und Macht­ver­hält­nisse auf Vor­stel­lungen von Schön­heit? Wie insze­nierten Herr­schende mit äs­the­ti­schen Mit­teln ihre Macht und wie wurden Klei­dung, Kunst und Musik zum Mittel po­li­ti­schen Wi­der­standes? Wie hat sich die Ge­sell­schaft im 19. und frühen 20. Jahr­hun­dert mo­der­ni­siert und wie spie­gelte sich diese Mo­der­ni­sie­rung in der Kunst und Kultur? Wel­chen Ein­fluss nahmen Staat und Ge­sell­schaft im Laufe der Ge­schichte auf das Lie­bes­leben zwi­schen Men­schen und wie wurden Liebe und Ehe im In­ter­esse der Na­tion, ins­be­son­dere im Na­tio­nal­so­zia­lismus, in­stru­men­ta­li­siert? Wie sind Kul­turen im 20. Jahr­hun­dert auf­ein­an­der­ge­prallt und welche Rolle spielte bei diesem Auf­ein­an­der­prallen die Ka­te­gorie ›Ge­schwin­dig­keit‹?

Ins­ge­samt bietet der Ge­schichts­un­ter­richt im Profil eine Platt­form für einen in­ten­siven fä­cher­über­grei­fenden Aus­tausch.

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