Opera Stabile: »Jungfernstieg, 14. Mai«

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Seit Fe­bruar wurde im Mu­sik­profil (2. Se­mester) des Goethe-Gym­na­siums an­ders als sonst ge­ar­beitet: Unter der An­lei­tung des Kom­po­nisten Alex­ander Schu­bert »er­fanden« die Schü­le­rinnen ihre ei­gene Kom­po­si­tion, eine Musik, die sich nicht an ihrem ge­wohnten Mu­sik­ge­schmack ori­en­tiert. Als In­spi­ra­ti­ons­quelle für das er­ar­bei­tete Stück diente die Kom­po­si­tion »Schwer, un­heim­lich schwer« des Ham­burger Kom­po­nisten Georg Hajdu. Als Aus­gangs­punkt seiner Ar­beit ver­wen­dete Hajdu ein In­ter­view mit der RAF-Ak­ti­vistin Ul­rike Meinhof, wel­ches er mit Hilfe von ei­gens ent­wi­ckelten Com­pu­ter­pro­grammen in für Mu­siker spiel­bare Noten über­setzte.

In An­leh­nung an diesen An­satz wählte das Mu­sik­profil einen Text über die Er­mor­dung eines Ju­gend­li­chen im Mai 2010 in der U-Bahn Jung­fern­stieg. Diese bru­tale Tat ge­schah am Wo­chen­ende auf dem Weg zur Dis­ko­thek. Dieser Ge­gen­satz - das Auf­ein­an­der­prallen von Freude, Ge­walt und Trauer - diente zur Struk­tu­rie­rung des mu­si­ka­li­schen Ma­te­rials und weist damit eine klare Par­al­lele zu der am­bi­va­lenten Ge­müts­ver­fas­sung Mein­hofs im In­ter­view auf. Die vom Com­puter be­ar­bei­tete Sprache hatte auch in dem Stück der Schüler eine tra­gende Rolle - wurde aber eher als ein zu­sätz­li­ches In­stru­ment ver­wendet.

Die Kom­po­si­tion er­zählte an­nä­hernd li­near den Ver­lauf der Tat­nacht und spie­gelte sehr emo­tional und di­rekt die ver­schie­denen Per­spek­tiven auf die Mord­nacht und die ihr fol­gende Trauer wider. Die zeit­ge­nös­si­schen Kom­po­si­ti­ons­tech­niken konnten auf­grund dieses An­satzes als in­tuitiv pas­sende An­sätze zur Be­schrei­bung dieses Sze­na­rios ver­wendet werden.

Das Kom­po­si­ti­ons­pro­jekt fand im Rahmen des Pro­jektes »Klangradar 3000« statt. Am Freitag, 6. Mai 2011 führten die Schü­le­rinnen des Mu­sik­pro­fils ihre fer­tige Kom­po­si­tion in der Opera Sta­bile auf. Im an­schlie­ßenden Kon­zert mit dem En­semble Inté­grale be­stand die Mög­lich­keit, neben an­deren Werken zeit­ge­nös­si­scher Kom­po­nisten das Re­fe­renz­stück von Georg Hajdu zu hören.

Be­reits wäh­rend des Ar­beitspro­zesses war zu er­leben, mit wel­cher Ernst­haf­tig­keit und In­ten­sität die Schü­le­rinnen des Mu­sik­pro­fils sich mit der The­matik aus­ein­an­der­setzen. Dies spie­gelte sich auch in ihrer aus­drucks­starken mu­si­ka­li­schen Ge­stal­tung wider.

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