Vom Stehgreif ins Irrenhaus

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Ei­gent­lich hatten sie ein halbes Jahr lang Im­pro­vi­sa­ti­ons­theater ge­lernt - nun spielten sie am Ende doch aus­ge­schrie­bene Szenen: "Madhouse", "Ir­ren­haus" nannten die Abi­tu­ri­enten Ihre Ab­schluß­prä­sen­ta­tion, die aber stel­len­weise nicht we­niger an­ar­chisch wirkte, als sie im Steh­greif hätte sein können.

MadhouseMadhouse

"Madhouse" er­for­dert ge­dak­liche Prä­zi­sion

Da ver­irren sich Spione in immer ab­sur­deren Spi­ralen ihres ei­genen Ge­heim­codes, da ver­fängt sich eine Staats­an­wältin in einem ein­zigen Wort, das sie binnen kurzem in den Wahn­sinn treibt - oft geht es um Sprache in diesen Ka­bi­nett­stück­chen des Ab­son­der­li­chen, die der Feder des Briten Ken Camp­bell ent­stammen. Nicht ganz ein­fach, mi­tein­ander zu reden, wenn der Eine immer ver­gißt, was er ge­rade ge­sagt hat, und der An­dere immer das sagt, was der Erste geant­wortet hätte; Peggy Sue Berg­mann und Lisa Schuldt be­ste­chen gleich zu An­fang mit er­staun­li­cher ge­dank­li­cher Prä­zi­sion - nicht nur, wenn sie plötz­lich eine ganze Pas­sage lang ge­meinsam spre­chen.

Be­ju­belte So­zi­al­studie - Theater nah am Stadt­teil

Be­mer­kens­wert auch Ali Sami Ka­rai­ma­moglu, wenn er seiner Ärztin unter vollem Kör­per­ein­satz zu er­klären ver­sucht, wie er daran ver­zwei­felt, daß ihm die De­fi­ni­tion all­täg­li­cher Dinge ab­handen kommt: "Wenn ich hüpfe, bin ich dann ein Frosch? Und wenn ich nicht hüpfe - bin ich dann ein Frosch, der ge­rade nicht hüpft??" Ein an­deres Pro­blem haben Merve Öz­bu­dakci und Zellal Dogan als die­selbe Frau, die fest­stellen muß, daß es sie - un­sichtbar für die je­weils an­dere - dop­pelt gibt. Dogan lie­fert auch eine be­ju­belte So­zi­al­studie als Os­dorfer Hoch­haus­queen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, die eine Selbst­mör­derin vor dem Ab­sprung mit ma­ka­brer Un­ver­fro­ren­heit um die letzten Wert­sa­chen bringt.

Phi­lo­so­phisch Ko­misch mit großem Bei­fall

So spannt sich der Bogen dieses kurz­wei­ligen Pro­gramms von derb-ko­mi­schem Blöd­sinn bis zu fast phi­lo­so­phi­schen Höhen, frei nach dem Motto: "Was ist Wirk­lich­keit in diesem Spie­gel­ka­bi­nett?" Unter der Lei­tung von Chri­stoph Gott­schalch ist das dra­ma­ti­sche Po­ten­tial der Text­vor­lage viel­leicht nicht immer ganz aus­ge­schöpft, aber Spiel­freude, Mut und wa­ches Zu­sam­men­spiel der Schü­le­rInnen be­ein­dru­cken. Und wenn am Ende ein smarter Cowboy das spie­ßige Leben eines Vor­stadt­e­he­paares er­folg­reich auf den Kopf ge­stellt hat, mündet der Abend in einer gro­tesken Schlus­scho­reo­gra­phie des ganzen En­sem­bles in Arzt­kit­teln, der Olga Weber play­back ein i-Tüp­fel­chen auf­setzt. Großer Bei­fall für den zweiten Bei­trag zur Schul­thea­ter­saison am Ris­penweg - man darf auf Wei­teres ge­spannt sein!

(Ch. Gott­schalch)

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